Seide: alles über die edelste Faser
So TissusGlänzend, weich und leicht: Seide ist eine Naturfaser, die von der Seidenraupe gesponnen wird, und die edelste Faser der Schneiderei. Sie reguliert die Temperatur – kühl im Sommer, warm im Winter – und es gibt sie als Krepp, Satin, Chiffon, Twill oder Organza. Ein außergewöhnlicher Stoff, empfindlich, aber unvergleichlich zu tragen.
Seide ist die edle Faser schlechthin. Von Natur aus glänzend, fließend, leicht und temperaturausgleichend, wird sie seit über 5.000 Jahren für die kostbarsten Stücke der Garderobe verwendet: Abendkleider, Tücher, hochwertige Blusen, edle Dessous, Luxusfutter.
Doch hinter dem Wort „Seide“ steckt eine ganze Familie: Satin, Krepp, Chiffon, Twill, Organza, Taft … Ein Überblick, bevor Sie die Schere ansetzen.
Was ist Seide?
Seide ist eine tierische Faser, die die Seidenraupe (der Seidenspinner) beim Spinnen ihres Kokons erzeugt. Ein einziger Kokon besteht aus einem durchgehenden Faden von 800 bis 1.500 Metern – unglaublich fein, unglaublich lang.
Ihre einzigartigen Eigenschaften:
- Sehr reißfest: bei gleichem Durchmesser fester als ein Stahldraht
- Leicht und fließend: ein unvergleichlicher Fall
- Temperaturausgleichend: hält im Sommer kühl und im Winter warm
- Hypoallergen und von Natur aus antibakteriell
- Natürlicher Glanz dank der dreieckigen Struktur der Faser, die das Licht reflektiert
- Saugfähig: bis zu 30 % ihres Gewichts an Feuchtigkeit
Die wichtigsten Seidenarten
Seidensatin
Die Atlasbindung (bei der die Kette über mehrere Schussfäden flottiert) ergibt eine sehr glatte, glänzende Oberfläche auf der einen und eine matte auf der anderen Seite. Perfekt für Abendkleider, elegante Blusen, Nachthemden und hochwertiges Futter.
Crêpe de Chine
Aus überdrehten Garnen gewebt: eine sehr feine, leicht körnige, matte Oberfläche. Fließender, dezenter Fall. Ideal für Blusen, drapierte Kleider und Tücher.
Seidenchiffon
Sehr fein, fast durchsichtig, leicht wie Luft. Für leichte lange Kleider, Schleier und Lagenlooks. Das Nähen erfordert echte Übung.
Seidentwill
Erkennbar an seiner sichtbaren Diagonale. Formstabiler als Krepp, perfekt für quadratische Tücher (wie die berühmten Carrés von Hermès) und taillierte Blusen.
Crêpe-Satin
Zwei verwendbare Seiten: glänzender Satin auf der einen, matter Krepp auf der anderen. In der Haute Couture sehr beliebt, um in einem Kleidungsstück mit beiden Oberflächen zu spielen.
Seidenorganza und Seidentaft
Steifer, transparent (Organza) oder blickdicht (Taft). Für formstabile Kleider, Brautkleider und weite Röcke. Nicht für den Einstieg geeignet.
Die großen Seiden: Krepp, Satin, Chiffon oder Twill?
Hinter dem Wort „Seide“ verbergen sich sehr unterschiedliche Stoffe.
| Seide | Griff & Fall | Optik | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Seidenkrepp | Fließend, körnig | Matt, geschmeidig | Kleider, fließende Blusen |
| Seidensatin | Fließend, glatt | Leuchtend, glänzend | Abendkleider, Luxusfutter |
| Seidenchiffon | Sehr leicht, duftig | Transparent | Schleier, Lagenlooks |
| Seidentwill | Geschmeidig, dicht | Leicht satiniert | Tücher, Blusen, Kleider |
Für welche Projekte?
- Abend- und Festkleider: Satin, Crêpe-Satin, Chiffon
- Hochwertige Blusen: Crêpe de Chine, Twill
- Brautkleider: Satin, Organza, Taft
- Dessous und Nachthemden: leichter Satin, Krepp
- Tücher: Twill (quadratisch), Chiffon (lang)
- Hochwertiges Futter: Crêpe de Chine, Habotai
Zu vermeiden: alles, was viel Steifheit braucht oder sehr oft gewaschen wird. Seide ist für Lieblingsstücke, nicht für den harten Alltag.
Wie näht man Seide?
Seide ist ein anspruchsvoller Stoff. Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen gelingt sie Ihnen.
Vor dem Zuschnitt
- Nicht vorwaschen, wenn die Seide chemisch gereinigt werden soll.
- Bei Seiden für die Handwäsche: vorher an einem Reststück testen.
- Legen Sie den Stoff auf Seidenpapier oder eine Decke, damit er beim Zuschneiden nicht verrutscht.
- Verwenden Sie Schnittgewichte statt Stecknadeln – Nadeln können bleibende Spuren hinterlassen.
- Schneiden Sie mit einer sehr scharfen, absolut sauberen Schere.
An der Maschine
- Eine feine, neue Nadel: Microtex 70 oder eine spezielle Seidennadel 70
- Sehr feines, hochwertiges Polyestergarn oder Seidengarn
- Kurzer Geradstich: 2 mm
- Die ersten Stiche mit dem Handrad nähen, damit die Seide nicht in die Stichplatte gezogen wird
- Vor dem Nähen heften – das dauert, erspart Ihnen aber das Auftrennen in Seide (die Löcher bleiben sichtbar)
Versäuberung
- Seide franst stark aus. Französische Nähte sind bei feinen Teilen ein Muss, sonst mit der Overlock (mit Messer) versäubern.
- Rollsäume mit der Overlock für Tücher und fließende Kleider.
- Nicht zu heiß bügeln: maximal 110 °C, mit Bügeltuch.
Wie pflegt man Seide?
- Chemische Reinigung wird für die meisten Seiden empfohlen, vor allem für formstabile und farbige Teile.
- Handwäsche ist in kaltem Wasser mit einem sehr milden Waschmittel (wie für Kaschmir) möglich: 5 Minuten einweichen, nicht reiben, kalt ausspülen.
- Nicht auswringen: in einem sauberen Handtuch ausdrücken und flach im Schatten trocknen.
- Bügeln bei niedriger Temperatur (110 °C), auf links, mit Bügeltuch, damit keine glänzenden Stellen entstehen.
- Aufbewahrung: lichtgeschützt (Seide vergilbt in der Sonne), in Kleiderhüllen aus Baumwolle (nicht aus Plastik).
Zusammenfassung
- Edle, fließende, glänzende, temperaturausgleichende Faser
- Verschiedene Arten je nach Bindung: Satin, Krepp, Chiffon, Twill, Organza, Taft
- Ideal für: Abendkleider, hochwertige Blusen, Tücher, Dessous, hochwertiges Futter
- Anspruchsvoll zu nähen: feine Nadel, Schnittgewichte, französische Nähte, von Hand heften
- Schonende Pflege: chemische Reinigung oder kalte Handwäsche, Bügeln bei niedriger Temperatur
Für den Einstieg in Seide wählen Sie einen Crêpe de Chine für eine schlichte Bluse oder einen Twill für ein quadratisches Tuch. Meiden Sie Chiffon und Taft, wenn Sie noch nie einen fließenden Stoff genäht haben – Sie würden es bereuen. Und heften Sie vor jeder Maschinennaht.
Häufige Fragen zu Seide
Ist Seide schwer zu nähen?
Sie rutscht und franst aus: feine Nadel 60/8 oder 70/10, Schnittgewichte, Seidenpapier darunter und französische Nähte oder Rollsaum zum Versäubern.
Wie wäscht man Seide?
Von Hand in kaltem Wasser mit milder Seife oder in der chemischen Reinigung. Nicht auswringen; bei niedriger Temperatur auf links bügeln, solange der Stoff noch leicht feucht ist.
Hält Seide warm?
Sie gleicht die Temperatur aus: kühlend bei Hitze, isolierend bei Kälte. Angenehm das ganze Jahr.
Vergilbt Seide?
Sie verträgt weder direkte Sonne noch Schweiß. Bewahren Sie sie lichtgeschützt auf und waschen Sie sie nach längerem Tragen.
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